🧩 Projekt-Grundlagen
Inhalt
Ab jetzt wird es praktisch: Die nächsten drei Kacheln sind ein zusammenhängendes Team-Projekt. Ihr plant, baut und präsentiert in 4er-Teams ein echtes kleines Produkt. Diese Kachel legt die Grundlage: Wie läuft ein Projekt eigentlich ab, wer macht was im Team, und wie behaltet ihr den Überblick, ohne dass alles im Chaos endet?
Das ist bewusst schlank gehalten: kein kompliziertes Fachvokabular, sondern ein einfaches Grundprinzip, das in echten Projekten überall funktioniert — auch außerhalb der Informatik.
🛤️ Die sechs Projektphasen
Jedes größere Projekt lässt sich in sechs Phasen einteilen. Das gilt für ein Schulprojekt genauso wie für eine echte Firma, die eine neue App entwickelt:
1️⃣ Problemanalyse
"Was soll entstehen, für wen?"
2️⃣ Lösungsentwurf
"Wie gehen wir es an?"
3️⃣ Umsetzung
"Machen."
4️⃣ Test
"Funktioniert's, ist's verständlich?"
5️⃣ Dokumentation
"Was haben wir gemacht?"
6️⃣ Präsentation
"Herzeigen."
Wichtig: Test und Dokumentation kommen nicht erst ganz am Ende, sondern laufen schon während der Umsetzung mit. Wer erst kurz vor Schluss testet, findet Probleme zu spät.
🔍 Der Qualitätskreislauf: warum Projekte selten geradlinig laufen
In der Praxis springt man oft zwischen den Phasen hin und her: Ein Test in Phase 4 zeigt ein Problem, also geht es zurück zum Lösungsentwurf (Phase 2), bevor es weitergeht. Diesen Kreislauf aus Entwerfen → Umsetzen → Testen → Verbessern nennt man Qualitätskreislauf. Ein Projekt, bei dem man ihn nur einmal komplett durchläuft, wird selten richtig gut — mehrere kurze Runden sind meist besser als eine lange.
🗺️ Planung des Projektablaufs
Neben den sechs Phasen gehört zur Planung eines Projekts auch, wie es organisiert abläuft. Man unterscheidet dabei grob drei Schritte: die Initiierung (der bewusste Start — Ziel, Team und Rahmen werden festgelegt), die Durchführung (die eigentliche Arbeit über die sechs Phasen hinweg) und der Abschluss (Projekt wird sauber beendet, Ergebnisse gesichert). Dazu kommt die Teambildung: Wer arbeitet zusammen, wer übernimmt welche Rolle?
Für die Zusammenarbeit im Team braucht es außerdem Kommunikations- und Kooperationstools — digitale Werkzeuge, mit denen ihr euch abstimmt und gemeinsam arbeitet, zum Beispiel eine webbasierte Plattform. Das Kanban-Board weiter unten ist genau so ein Werkzeug — als echtes digitales Board dafür nutzt ihr ab der nächsten Kachel CryptPad, kein Login nötig.
Innerhalb der Durchführung legt man sich oft Meilensteine — feste Zwischenschritte, an denen ihr im Team überprüft, wie weit ihr seid und ob ihr noch im Plan liegt. Das ist etwas anderes als das Ende einer Phase: Ein Meilenstein kann auch mitten in der Umsetzung liegen, zum Beispiel "die Hälfte der Texte ist fertig".
👥 Teambildung: vier Rollen, ein Produkt
Ihr arbeitet in 4er-Teams. Jede Person übernimmt eine klare Rolle, damit am Ende wirklich alle etwas beigetragen haben — nicht nur eine Person macht die Arbeit:
📝 Content-Manager
Schreibt die Texte, sammelt und sortiert die Inhalte.
🎨 Grafik-Designer
Bearbeitet Bilder, sorgt für ein einheitliches Aussehen.
💻 Technik-Rolle
H5P-Developer, WordPress-Developer oder Canva-Designer-Lead — je nachdem, welches Produkt ihr wählt. Wird in der nächsten Kachel "Werkzeuge & Kanban" konkret.
📋 Projekt-Koordinator
Organisation und Qualität, behält den Überblick, pflegt das Kanban-Board.
Das sind bewusst keine "Scrum-Rollen" mit Fachbegriffen, sondern Rollen, die direkt am fertigen Produkt hängen — leichter greifbar und näher an dem, was ihr wirklich tut.
🔍 Agiles Arbeiten vs. Wasserfallmethode — für Interessierte (kein Prüfungsstoff)
Woher kommen Begriffe wie "Scrum", "Sprint" oder "agil", die man im Zusammenhang mit Projekten und Softwareentwicklung oft hört? Dahinter steckt eine grundsätzliche Frage: Plant man ein Projekt komplett im Voraus durch, oder arbeitet man in kleinen, sich wiederholenden Schritten und passt den Plan unterwegs an?
🌊 Die Wasserfallmethode
Bei der klassischen Wasserfallmethode laufen die Projektphasen (Analyse, Entwurf, Umsetzung, Test, ...) strikt nacheinander ab, wie Wasser, das eine Kaskade herunterfließt — man geht erst zur nächsten Stufe, wenn die vorherige komplett abgeschlossen ist. Vorteil: klare Struktur, jederzeit nachvollziehbar, wer gerade was macht. Nachteil: Ein Fehler oder eine Planänderung, die erst spät auffällt (z. B. beim Testen), ist teuer — man müsste eigentlich mehrere Phasen zurück, was im Wasserfall-Modell nicht vorgesehen ist. Gut geeignet für Projekte mit von Anfang an sehr klaren, stabilen Anforderungen (z. B. Bau einer Brücke).
🔁 Agiles Arbeiten
Agiles Arbeiten geht den Weg umgekehrt: Statt einmal alles komplett zu planen, arbeitet das Team in kurzen, sich wiederholenden Zyklen, den sogenannten Sprints (oft 1–4 Wochen). Nach jedem Sprint steht ein kleines, aber funktionierendes Zwischenergebnis, das Feedback bekommt — daraufhin wird der Plan für den nächsten Sprint angepasst. Das ist im Grunde der Qualitätskreislauf von oben, nur als feste, wiederkehrende Taktung organisiert. Vorteil: Änderungen und Fehler werden früh sichtbar, nicht erst am Ende. Nachteil: Ohne Enddatum-Druck kann sich ein Projekt auch in die Länge ziehen, und der Gesamtüberblick ist anfangs unschärfer als bei einer Komplettplanung.
| 🌊 Wasserfall | 🔁 Agil | |
|---|---|---|
| Planung | einmal komplett, vorab | laufend, in kurzen Zyklen |
| Änderungen | schwierig und teuer | fest eingeplant, erwünscht |
| Ergebnis sichtbar | erst ganz am Ende | nach jedem Sprint |
| passt gut zu | klaren, stabilen Anforderungen | Projekten, bei denen sich unterwegs noch was ändert |
👥 Die drei Scrum-Rollen
Scrum ist das bekannteste konkrete Regelwerk für agiles Arbeiten. Es kennt genau drei Rollen:
- Product Owner — vertritt die Kundschaft bzw. die Nutzer, entscheidet, was als Nächstes am wichtigsten ist, pflegt die Liste aller offenen Aufgaben (das "Product Backlog").
- Scrum Master — sorgt dafür, dass die Regeln und Abläufe von Scrum eingehalten werden, räumt dem Team Hindernisse aus dem Weg, ist aber keine klassische Führungskraft, die Aufgaben verteilt.
- Entwicklungsteam — die Personen, die das Produkt tatsächlich bauen, organisieren sich innerhalb eines Sprints weitgehend selbst.
Euer Content-Manager/Grafik-Designer/Technik-Rolle/Projekt-Koordinator-Modell deckt sich grob mit dem Entwicklungsteam, nur nach Aufgabenbereich statt nach Scrum-Funktion aufgeteilt — der Projekt-Koordinator übernimmt bei euch ein bisschen von beidem, Product Owner und Scrum Master.
📜 Das Agile Manifest
2001 haben 17 Softwareentwickler das Agile Manifest veröffentlicht — vier kurze Wertepaare, die bis heute die Grundlage fast aller agilen Methoden sind. Wichtig dabei: Die rechte Seite hat noch Wert, die linke wird nur höher gewichtet.
- Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge
- Funktionierende Software mehr als umfassende Dokumentation
- Zusammenarbeit mit dem Kunden mehr als Vertragsverhandlung
- Reagieren auf Veränderung mehr als das Befolgen eines Plans
Neben Scrum gibt es weitere agile Methoden wie Kanban (das ihr ja schon nutzt) oder Extreme Programming (XP) — alle teilen dieselben Grundwerte, nur mit unterschiedlichen konkreten Regeln.
🗂️ Kanban: in kleinen Schritten mit sichtbaren Aufgaben arbeiten
Damit im Team niemand den Überblick verliert, arbeitet ihr mit einem Kanban-Board. Die Grundidee ist simpel: ein Board mit drei Spalten, Aufgaben als Kärtchen, die von links nach rechts wandern. Probier es gleich selbst aus — klick auf eine Karte, um sie eine Spalte weiterzuschieben:
Klick auf eine Karte in "Zu tun" oder "In Arbeit", um sie weiterzuschieben. Karten in "Fertig" lassen sich wieder zurückschieben, falls doch noch Arbeit nötig ist.
Mehr braucht es erstmal nicht — keine komplizierten Regeln, kein festes Zeitfenster, einfach: Aufgabe aufschreiben, Karte wandert, wenn fertig ganz nach rechts.
Probiert das ruhig gleich richtig aus, kein Login nötig: Board anlegen, ein, zwei Testkarten schreiben und einmal verschieben — dann wisst ihr für die Stundenaufgabe unten schon, wie es geht.
🤖 Wichtiger Hinweis zu KI
Das Kanban-Board und eine kurze Rollen-Reflexion am Ende sind Teil der Bewertung — sie zeigen, wer wirklich was gemacht hat. KI darf bei einzelnen Schritten helfen (Ideen für Texte, Bildideen), aber nicht das komplette Produkt in einem Rutsch generieren.
Überlege: Warum könnte es problematisch sein, wenn ein Team alle Aufgaben erst kurz vor Schluss in die Spalte "Fertig" schiebt, statt kontinuierlich zu arbeiten?
🃏 Lernkarten
Zum Auswendiglernen: Karte antippen zum Umdrehen.
⭐ Üben
Fragen werden geladen …
🎮 Stundenaufgabe
Alles unten ist in einer Doppelstunde schaffbar. Wähle zunächst eine Vertiefung:
YouTube-Video ansehen
Suche nach "Kanban Board einfach erklärt"
Eigenes Board bauen
Mit Papierkärtchen oder Klebezetteln
Mit KI besprechen
Prompt kopieren und in eine KI einfügen
Rolle: Du bist ein geduldiger Lernpartner für Informatik. Aufgabe: Frag mich nacheinander ab, was die sechs Projektphasen (Problemanalyse, Lösungsentwurf, Umsetzung, Test, Dokumentation, Präsentation) bedeuten, und lass mich raten, bevor du die Antwort verrätst. Frag mich danach auch nach den vier Team-Rollen und dem Grundprinzip von Kanban. Kontext: Ich bin in Klasse 9 und starte gerade ein Team-Projekt in der Schule. Stil: Einfache, kurze Sätze, keine Fachwörter ohne Erklärung.
🗂️ Aufgabe 1: Kanban-Board für ein echtes Projekt befüllen
Reales Beispiel statt Fantasieprojekt: Die Fachschaft Informatik braucht eine neue Unterseite auf der Schulhomepage zum Thema Blockprogrammierung (z. B. Scratch, Calliope). Bildet 4er-Gruppen.
- Überlegt zuerst inhaltlich: Was gehört auf so eine Unterseite? Für wen ist sie gedacht — Zielgruppe Schüler, Eltern, andere Lehrkräfte? Wie sollte der Inhalt dargestellt werden (Text, Bilder, Beispiele, Links)?
- Leitet daraus für jede der vier Rollen aus dem Inhalt-Abschnitt oben Aufgaben ab, insgesamt mindestens 8 Kärtchen (z. B. Content-Manager: "Kurztext schreiben, was Blockprogrammierung ist"; Grafik-Designer: "Screenshot aus Scratch besorgen"; Technik-Rolle: "Unterseite technisch anlegen"; Projekt-Koordinator: "Abstimmen, was inhaltlich Pflicht ist").
- Ein Teammitglied legt bei CryptPad ein neues Kanban-Board an (siehe oben) und trägt alle Kärtchen dort in die Spalte "Zu tun" ein.
- Link teilen, z. B. per Schullogin- oder LernSax-Mail an die anderen drei im Team.
🙋 Aufgabe 2: Rollen verteilen
In derselben Gruppe:
- Verteilt die vier Rollen (Content-Manager, Grafik-Designer, Technik-Rolle, Projekt-Koordinator) auf euch.
- Jede Person begründet kurz mündlich: Warum passt gerade diese Rolle zu mir? Was reizt mich daran?
- Haltet die Verteilung schriftlich auf einem Kärtchen oder Zettel fest — das braucht ihr für die nächste Kachel wieder.
💬 Aufgabe 3: Murmelrunde — was geht schief ohne Koordinator?
Kurze Murmelrunde zu zweit oder in der Gruppe, ca. 5 Minuten:
- Überlegt: Was könnte in einem echten Projekt schiefgehen, wenn niemand die Koordinator-Rolle wirklich ausfüllt?
- Sammelt mindestens 3 konkrete Probleme (z. B. doppelte Arbeit, vergessene Aufgaben, Streit über Zuständigkeiten).
- Stellt eurer Klasse kurz das überzeugendste Beispiel vor.
Überlegt für euer Beispielprojekt: An welcher Stelle würde der Qualitätskreislauf greifen — wo müsstet ihr eventuell zu einer früheren Phase zurückgehen, wenn ein Test zeigt, dass etwas nicht funktioniert?